Deutsche Flugsicherung

Gründung der DFS Deutschen Flugsicherung

Wer Fluglotse werden möchte, kommt an der Deutschen Flugsicherung (DFS) nicht vorbei. Bereits 1993 wird die Deutsche Flugsicherung GmbH gegründet. Dazu war die Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen der Bundesrepublik Deutschland notwendig. Die DFS arbeitet als privatrechtlich organisiertes Unternehmen, deren alleinige Gesellschafterin die Bundesrepublik ist. Die damals formulierten Unternehmensziele sind auch heute noch gültig: „Verstärkte Nutzung von Innovations- und Synergie-Potentialen, konsequente Kundenorientierung, ein offenes Dienstleistungsbewusstsein und ein von beamtenrechtlichen Strukturen freies Unternehmenskonzept, bei dem Hierarchien und Denken in Ressorts keinen Platz mehr haben.“ [Peter Bachmann, (2005), Flugsicherung in Deutschland, Motorbuch Verlag, Seite 35]

Erweiterte Aufgaben der DFS

Seit 1994 ist die DFS GmbH auch zuständig für die Abwicklung des militärischen Luftverkehrs in Friedenszeiten. Jedoch wird der Betrieb an militärischen Flughäfen weiterhin von militärischem Flugsicherungspersonal aufrecht gehalten. Inzwischen ist die Integration der überörtlichen militärischen Flugsicherung in die DFS seit dem September 1996 abgeschlossen.

Geschäftsbereiche der DFS

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist für die Flugverkehrskontrolle in Deutschland zuständig.  Jedoch gibt es weitere Betätigungsfelder, für die die Deutsche Flugsicherung verantwortlich ist. Denn die DFS entwickelt auch Flugsicherungs-, Ortungs- und Navigationssysteme. Außerdem sammelt sie alle flugrelevanten Daten und lässt sie in ihre Produkte und Dienstleistungen wie Luftfahrtkarten und Flugberatung einfließen. Des Weiteren bildet die Deutsche Flugsicherung DFS den notwendigen Nachwuchs in ihrer eigens dafür unterhaltenen Akademie aus. Letztlich steht sie Unternehmen mit ihrer Kompetenz auch beratend zur Seite. In der Folge hat sie insgesamt sechs verschiedene Geschäftsbereiche, in denen sich das Unternehmen betätigt.

Die Akademie der DFS, eine der weltweit größten und leistungsfähigsten Trainingseinrichtungen für die Aus- und Weiterbildung von Flugsicherungspersonal, bildet im Schwerpunkt Flugverkehrslotsen und Flugberater aus. Außerdem bietet sie Schulungen und Fortbildungsprogramme für Ingenieure, Techniker und rund 6.000 Mitarbeiter der DFS an. Ergänzend gibt es seit einigen Jahren auch zahlreiche externe Kunden.

Der Geschäftsbereich Center der DFS

Der Geschäftsbereich „Center“ ist dafür zuständig, Flugzeuge sicher durch den deutschen Luftraum zu führen. Dazu koordinieren sie Lotsen jährlich ca. 2,5 bis 3 Millionen Flugbewegungen. Darunter sind ca. 2 Millionen Starts und  Landungen. In diesem Bereich wird durch die Nutzung von Luftstraßen von IFR-Verkehr eine Gebühr, kategorisiert nach Gewicht des Flugzeugs und Anfluggebühren, erhoben.

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Moderne Flugsicherung

Bei der Unternehmenssparte „Communications, Navigation and Surveillance“ geht es in erster Linie darum, den Betrieb, die Weiterentwicklung und die Bereitstellung von Kommunikations-, Navigations- und Ortungssystemen sicherzustellen. Dafür wurde unter anderem in München für die Kommunikation am Boden und somit als Entlastung des Sprechfunkverkehrs das DCL-System („Departure Clearance via Datalink“) installiert. [München 19. April 2005, Digitale Anlass- und Streckenfreigabe entlastet Sprechfunk am Münchener Flughafen, 15.12.2012, http://www.dfs.de/dfs/internet_2008/module/presse/deutsch/presse/presseinformation/2005/digitale_anlass_und_streckenfreigabe_19_4/index.html]

Consulting der Deutschen Flugsicherung

Das Betätigungsfeld „Consulting“ bietet mit der umfassenden Erfahrung der DFS eine Möglichkeit für Unternehmen, sich dieses Wissen zu Nutze zu machen. Dazu berät die DFS bei Fragen zum Systemdesign und –implementierung, organisatorische Konzepte und Finanzierungsfragen, operationelle Konzepte und Planung, ATS performance evaluation und Safety Management System. Außerdem erstellt sie Studien, z.B. im Bereich Lärmschutz. [22.12.2011, DFS überprüft innovatives Anflugverfahren „Point Merge“, 15.12.2012, http://www.dfs.de/dfs/internet_2008/module/presse/deutsch/presse/presseinformation/2011/dfs_prueft_innovatives_anflugverfahren_point_merge_22_12/index.html]

Luftfahrtdatenmanagement

Ein weiterer Geschäftsbereich der DFS ist das Luftfahrtdatenmanagement. Es soll den Luftraumnutzern eine Möglichkeit geben, den Luftverkehr optimal zu nutzen, zu steuern und Kapazitätsplanungen durchführen zu können. Zusätzlich fallen in diesen Geschäftsbereich die Veröffentlichung des Luftfahrthandbuchs Deutschland. Außerdem gibt es umfangreiche Kartenwerke und eine kompetente Flugberatung.

Eine der Hauptaufgaben der DFS ist es, den sicheren Betrieb an Flughäfen zu gewährleisten. Dazu unterhält die DFS an 19 Flughäfen in der Bundesrepublik Deutschland sogenannte „Tower“ (Kontrolltürme). Dabei überwachen die Towerlotsen Start und Landung der anfliegenden Flugzeuge. Außerdem geben sie die notwendigen Daten in das System ein und führen diese sicher zur Landebahn. Im Ergebnis sind die Towerlotsen in erster Linie dafür verantwortlich, dass der Flugverkehr an den deutschen Flughäfen sicher und pünktlich abgewickelt werden kann. Dabei kommt es bei der Staffelung von Flugzeugen im Anflug z.B. darauf an, gewisse Zeitabstände oder Entfernungen einzuhalten, um nicht die Sicherheit von nachfolgenden Flugzeugen durch sogenannte Wirbelschleppen zu gefährden.

Luftraumüberwachung

Die Hauptaufgabe der DFS Deutschen Flugsicherung GmbH liegt darin, einen reibungslosen, wirtschaftlichen und sicheren Verkehrsfluss in den vier DFS Kontrollzentralen mit rund derzeit 1.700 Lotsen zu gewährleisten. Dabei teilen sich die Kontrollzentralen in Bremen, München und Langen den unteren Luftraum (bis 24.500 Fuß/ ca. 7.500 Meter). Ergänzend wird in den Kontrollzentralen München, Karlsruhe und der EUROCONTROL-Zentrale Maastricht der obere Luftraum (oberhalb 24.500 Fuß) kontrolliert.

Die Flugverkehrskontrolle wird in Platzkontrolle („Tower“), Anflugkontrolle („Terminal Control“) und Bezirkskontrolle („Aera Control Center“) unterteilt. Dabei beinhaltet die Koordination von an- und abfliegendem Verkehr unter anderem sogar Verfahren für Lärmschutz („Noise Abatement Procedures“). Dazu versucht man bei neuen Prozessen, anfliegenden Verkehr so lange wie möglich auf Höhe zu halten und abfliegenden Verkehr schnell auf eine große Flughöhe zu bringen. [2011, Alternatives Anflugverfahren für Frankfurt, 15.12.2012, http://frankfurt-nord-gegen-fluglaerm.de/wpcontent/uploads/2011/10/AlternativesAnflugverfahren_FRA_01.pdf]

EUROCONTROL

Die oben genannte EUROCONTROL-Zentrale Maastricht hat eine zu erwähnende Sonderstellung, da hier Lotsen aus 34 Nationen den Luftverkehr überwachen. Hier betreibt die DFS eine Niederlassung mit eigenem Personal, das für die Kontrolle des militärischen Einsatzverkehrs über Nordwestdeutschland zuständig ist. Damit der Flugverkehr und die damit verbundenen Navigationsanlagen funktionsfähig bleiben, unterhält die Deutsche Flugsicherung zusammen mit der Schweizer Flugsicherung „Skyguide“ und der österreichischen Flugsicherung „Austro Control“, das Unternehmen „FCS Flight Calibration Services“. Dieses hat seinen Sitz in Braunschweig. Dadurch können die Flugsicherungsunternehmen gewährleisten, dass an- und abfliegender Verkehr die notwendigen Navigationsanlagen zur Verfügung stehen. Dazu gehören ILS, LOC-DME, VOR, NDB und GPS-Anflugverfahren (Satellitenanflugverfahren). Ergänzend gibt es die regelmäßige Qualitätssicherung und Prüfung in vollem Umfang innerhalb der von der ICAO vorgeschriebenen Betriebsgrenzen.

Die Überwachung des Luftraums wird durch sogenannte Primär- und Sekundärradaranlagen gewährleistet. Dabei ist das Primärradar für die Überwachung der eigentlichen Position des Flugzeugs zuständig. Zusätzlich dient das Sekundärradar der Übertragung wichtiger Daten. Anhand dieser Daten erkennt der Lotse Angaben über die Flughöhe, Steig- und Sinkraten, Geschwindigkeit sowie Luftfahrzeugdaten. Diese werden ihm auf seinem Bildschirm angezeigt.

Eine weitere, jedoch oft unbekannte Tätigkeit zur Sicherung des Luftraums, ist die Überwachung sogenannter Massenaufstiegsgenehmigungen. Beispielsweise betrifft  diese den Aufstieg von Kinderluftballons. Auch Aufstiegsgenehmigungen für Fluglaternen, die laut  §16a LuftVO die Einholung einer Flugverkehrskontrollfreigabe bei der zuständigen Flugsicherung erfordert, gehören dazu. Denn diese stellen ein hohes Risiko für Luftfahrzeuge dar. Darum gibt es in diesem Bereich Sonderregelungen und Vorschriften, die auf der Website der DFS (www.dfs-ais.de) unter Service bekannt gegeben werden.

Deutsche Flugsicherung und ihre Dienste

Für alle nötigen Dienste und Aufgaben unterhält die Deutsche Flugsicherung Flugsicherheitsbetriebsdienste. Dazu gehören der Flugalarmdienst, der Hilfs- und Suchmaßnahmen für in Not geratene oder vermisste Luftfahrzeuge durch Verständigung des Such- und Rettungsdienstes (SAR, „Search and Rescue“) koordiniert. Des Weiteren gibt es den Flugberatungsdienst (AIS, „Aeronautical Information Service“), der für die Flugvorbereitung, die Annahme und Bearbeitung von Flugplänen und Verwaltung wichtiger Nachrichten, wie die NfL verantwortlich ist. Außerdem stellt er wichtige Informationen für das „Briefing“ der Crews, wie NOTAM’s und VFR-Bulletin zur Verfügung.

Ergänzend übermittelt der Flugfernmeldedienst Nachrichten zwischen den Flugsicherungsstellen. Zusätzlich strahlt er wichtige flugrelevante Informationen wie ATIS oder VOLMET aus.

Die Aufgabe des Fluginformationsdienstes ist es, den Betriebszustand von Funknavigationsanlagen, Wetterbedingungen, Informationen über den Flugverkehr und Zustände von Flughäfen weiterzugeben oder die Annahme von Flugplänen von im Flug befindlichen Luftfahrzeugen. Des Weiteren gibt es den Flugnavigationsdienst. Er ist für die Beschaffung, den Einbau und Abnahme, den Betrieb, die Überwachung und Instandhaltung sowie Planung und Erprobung flugsicherungstechnischer Einrichtungen verantwortlich. Letzten Endes gibt es den Flugverkehrskontrolldienst, der auch als ATC („Air Traffic Control“) mit seinen bereits genannten Anflugkontrolldienst, Flugplatzkontrolldienst und Regionalkontrolldienst bekannt ist.

Quelle: Studienarbeit Andreas Kohlmeier, Straubing

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